Hier wohne ich. Balladenbuch

Gottfried Bürger:

„Hier wohne ich. Behauptete Balladen“

Dass in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überhaupt noch Balladen geschrieben wurden, verwundert. Dass diese Balladen in einer Sprache gefasst sind, die aus der Zeit gefallen zu sein scheint, verwundert noch mehr. Die vorliegenden Gedichte in freien Rhythmen sind Versuche, alte Geheimnisse in einer besonderen Sprache darzustellen.
Die Balladen aus dem Nachlass des Göttinger Philosophen und Schriftstellers Gottfried Bürger wurden in den Jahren 1972 bis 1993 geschrieben. Bürger hat diese Gedichte in freien Rhythmen selbst nicht veröffentlicht.

Gottfried Bürger, geboren 1948, war beides: ein kreativer Philosoph an der Universität Göttingen, der sich vor allem mit dem Begriff des Originals beschäftigt hat, und ein erfolgreicher Schriftsteller. Als Schriftsteller war er »der Schöpfer des neuen deutschen Schreckensromans« (Manfred Rosen). 1994 ist Bürger unter niemals geklärten Umständen in Göttingen ermordet worden.

Die sieben Illustrationen in diesem Band stammen von der japanischen Künstlerin Jikan.


Soll man Texte, die ein Autor ganz offensichtlich nicht veröffentlicht sehen wollte, am Ende doch öffentlich machen? Ist das erlaubt? Was ist dann von solchen Texten zu halten? Der Göttinger Philosoph und Schriftsteller Gottfried Bürger hat diese Balladen – wir wissen das aus seinen Tagebüchern – nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Kollegen und Freunde des im Jahre 1994 ermordeten Autors haben lange diskutiert, ob man gegen Bürgers Willen diese Texte herausbringen soll. Es sprach vieles dagegen, und vieles, am Ende mehr, sprach dafür, diese über einen langen Zeitraum und in unregelmäßigen Abständen geschriebenen Gedichte zugänglich zu machen.
Diese Veröffentlichung folgt einem Satz, den eine der Gestalten in Bürgers Erzählung ›Gwendolins Rache‹ sagt: »Nur wenn wir sie als Spiel betrachten, bekommt die Geschichte einen Sinn.«

Leseprobe

Altan Verlag: ISBN 978-3-930472-01-7