Zielverführung

Wir stecken Milliarden in den Ausbau von Straßen. Das Ergebnis hören wir täglich in den „Verkehrsnachrichten mit Staus ab einer Länge von fünfzehn Kilometern“.

Wir investieren Milliarden in das Gesundheitswesen und erhöhen die Zahl der Kranken.

Wir bewirken mit Friedensmissionen Kriege, Bürgerkriege, Terroraktionen.

Fünf Professoren haben sich zusammengetan, um der Frage nachzugehen, warum wir in komplexen Systemen – also allen gesellschaftspolitischen – unter großem Aufwand das Gegenteil von dem erreichen, was wir als Ziel definiert haben.

Vorwort:

Es gibt nichts Wichtigeres, als bei Projekten die Ziele klar zu definieren. Es gibt nichts Nachteiligeres, als genau das Gegenteil von dem zu bewirken, was als Ziel angestrebt wird. Zur Analyse dieser beiden Pole haben wir die Begriffe „telisch“ und „antitelisch“ geprägt. In allen dynamisch-komplexen Systemen ist antitelisches Verhalten paradoxerweise nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.

Wir heutigen Menschen leben in einer vernetzten, globalisierten Welt, in der Maßnahmen immer zahlreiche Nebenwirkungen und langfristige Folgen haben. Für die Evolution war diese rasante Entwicklung zu kurz, um in Homo sapiens genetisch verankerte neuartige Denkfähigkeiten hervorzubringen. Die Denkmuster, mit denen wir ausgerüstet sind, reichen aus für Detail-Komplexität, wirken jedoch bei dynamischer Systemkomplexität so, dass genau das Gegenteil des angestrebten Ziels erreicht wird. Die Lösung sehen wir in heuristischen Methoden zur Erkennung dieser Muster und in Denk- sowie Handlungsstrategien zur Überwindung des Dilemmas, dynamische Komplexität mit linearen Denkmustern lösen zu wollen.

Uns geht es nicht primär darum, welche Politiker bzw. andere Stakeholder unserer Gesellschaft „Recht haben“, sondern um die Fragen, welche Ziele sie definiert haben und ob dabei die wichtigsten Variablen einbezogen wurden, auch die der Vernetzung, Langzeiteffekte und Nebenwirkungen. Wie kann man Politiker und andere Entscheidungsträger dazu bewegen, dass sie Ziele klar definieren und sie anschließend verfolgen, statt sich von ihnen zu entfernen? Wir brauchen „Zielweisheit“.


Inhalt

Kapitel 1
Einfache Wege in komplexe Desaster
Hartwig Eckert

Kapitel 2
Warum sind wir so tüchtige Idioten?
Jose Julio Gonzalez

Kapitel 3
Pläne machen: Die Fehlermaschine und wie man sie abstellt
Dietrich Dörner

Kapitel 4
Krankheit unser höchstes Gut
Ines Heindl

Kapitel 5
Die Schwarze Königin: Wettrennen, bis es keine Ziele mehr gibt
Hartwig Eckert

Kapitel 6
Die antitelische Tragik der Allmende:
Von den Welt-Fischgründen zu den EU-Pfründen
Jose Julio Gonzalez

Kapitel 7
Kompetenzfestung oder Zuflucht für Millionenheere
Gunnar Heinsohn

Kapitel 8
Zielweisheit gewinnt man durch Fragen
Dietrich Dörner, Hartwig Eckert, Ines Heindl, Gunnar Heinsohn,
Jose Julio Gonzalez


Die Autoren

Prof. Dr. Dr. Dietrich Dörner, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Theoretische Psychologie, Theorienbildung im Bereich „Handlungstheorie“
(Handeln als Zusammenspiel von Kognition, Motivation und Emotion, Theorienbildung durch Simulation psychischer Prozesse in neuronalen Netzwerken)

Prof. Dr. Hartwig Eckert, Europa-Universität Flensburg (EUF)
Anglistik und Sprachwissenschaft

Prof. Dr. Ines Heindl, Europa-Universität Flensburg (EUF)
Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften

Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Universität Bremen
Wirtschaftswissenschaft, Soziologie, Kriegsdemografie

Prof. Dr. Dr. Jose Julio Gonzalez; Universität Agder, Centre for Integrated Emergency Management (CIEM), Kristiansand & Grimstad, Norwegen. Sicherheitsmanagement, Krisenmanagement, Informationssysteme, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Modellieren und Simulation von komplex-dynamischen Systemen, Systemdynamik.

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